Aktuelles Zwingenberg

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf war Gast in Zwingenberg / Apell für eine Entwicklung und Erneuerung der Kirche

„Darauf schauen, was die Menschen bewegt“
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf war Gast in Zwingenberg / Apell für eine Entwicklung und Erneuerung der Kirche

Er plädiert eindringlich dafür, den von ihm eingeschlagenen Pastoralen Weg mitzugehen. Es gehe um die Zukunft der Kirche, weist der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hin. Er war im Rahmen einer Visitation Gast der Pfarrgruppe Fehlheim-Zwingenberg. Er sprach mit den Hauptamtlichen und ehrenamtlich Tätigen der Gemeinde. Unter anderem besucht er den von der Pfarrgruppe geführten Kindergarten in Fehlheim und tauschte sich bei einer gemeinsamen Sitzung mit den jetzt neu gewählten und bisherigen Pfarrgemeinderäten intensiv aus. Den Abschluss des Bischofsbesuchs bildete ein feierlicher Gemeindegottesdienst am Abend in der Zwingenberger Kirche, der vom Kirchenchor mit neuen geistlichen Liedern musikalisch gestaltet wurde.

Zum dritten Mal in der Pfarrgruppe

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr war Kohlgraf nun als Oberhirte des Bistums vor Ort. Er feierte bereits im August das 175jährige Bestehen der Fehlheimer Kirche mit und firmte im September die Jugendlichen der Gemeinde. „Aller guten Dinge sind eben Drei“, resümierte Pfarrer Opitek freudig. „Als Zahl der Vollendung gilt aber die Sieben“, konterte Kohlgraf schmunzelnd. „Warten wir also mal ab, was da noch so kommt“. In der Pfarrgruppe, so der Bischof, sei er auf durchweg interessierte und engagierte Menschen getroffen. Sein Anliegen, zu einer Entwicklung und Erneuerung der Kirche im Bistum beitragen, werde von den Verantwortlichen der Gemeinde wohlwollend mitgetragen.
Mit dem Besuch in Zwingenberg beendete Bischof Kohlgraf seine Visitationen im Dekanat Bergstraße. Sie sind Teil der ersten Phase des Pastoralen Weges im Bistum, die sich noch bis zum Sommer 2021 ziehen soll. Bis dahin sollen zukunftsfähige Pastoralkonzepte für neue pastorale Räume entwickelt werden. „Es geht darum, Ideen und Modelle dafür zu entwickeln, wie Christen in Zukunft konkret zusammen leben, glauben und arbeiten wollen und können.“ Das erfordere, zunächst genau darauf zu schauen, was die Menschen vor Ort bewege, plädierte Kohlgraf und wies darauf hin, dass auf dem Weg in die Zukunft auch manch Gewohntes aufgegeben werden müsse. Er rief die Gläubigen der Pfarrgruppe auf „weiter im Gespräch zu bleiben“ und den Weg des Miteinanders nicht zu verlassen. (mb)

Bild: Festlicher Gottesdienst in „Mariae Himmelfahrt“ zum Abschluss der Visitation des Mainzer Bischofs in der Pfarrgruppe Fehlheim-Zwingenberg. Von links: Der in Zwingenberg lebende Priester Eduard Schließmann, Diakon Ottmar Kraft, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sowie Ortspfarrer Äneas Opitek. Bilder: Bissinger

Interview mit dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf

Sehr geehrter Herr Bischof. Sie beenden ihre Visitationen im Dekanat Bergstraße.                  Welche Bedeutung haben ihre Besuche in den einzelnen Gemeinden?
Kohlgraf: Visitationen gehören zur Aufgabe der Bistumsleitung. Die vielen Begegnungen an der Bergstraße sind aber auch Teil des Pastoralen Weges unseres Bistums. Und da heißt es, mit den Leuten das Gespräch zu suchen und im Gespräch zu bleiben. Die Menschen auf ihrem gemeinsamen Weg stärken, darin sehe ich meine erste Aufgabe als Bischof.

Welches Bild haben Sie bei all den Besuchen erhalten:
Kohlgraf: Auf Dekanatsebene und in den Gemeinden läuft eine ganze Menge. Ich glaube, dass an vielen Stellen schon so viele Dinge geschehen, die so gut sind, dass man sie auch weiterführen sollte. Und im jetzt laufenden Prozess entdecken viele die gemeinsamen, überreifenden Ziele wieder neu.

Welche Schritte stehen nun an?
Kohlgraf: Bis 2021 haben wir ja Fragen für die einzelnen Dekanate formuliert – inhaltliche und strukturelle Fragen der Kirche. 2021 sollten wir eine Idee vor uns haben, wie das Ganze hier im Dekanat Bergstraße und in den einzelnen Pfarreien aussehen kann. Dann wird es nach und nach an die Umsetzung gehen.

Priestermangel und Umstrukturierungen bedeuten meist auch ein Loslassen und Neuausrichten. Unterstützen die Menschen ihren Weg einer Entwicklung und Erneuerung der Kirche im Bistum Mainz?
Kohlgraf: Ich habe im Moment den Eindruck, dass viele Menschen den Weg mitgehen. Es werden natürlich auch viele Fragen und Sorgen formuliert. Die Fragen und Sorgen habe ich auch persönlich. Es wäre nicht richtig zu sagen, es sei bereits klar, worauf wir zusteuern. Wir beginnen gerade einen Weg. Selbstverständlich haben wir eine Idee davon, wohin er führt. Aber wie sich Kirche und Gesellschaft in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren entwickeln, das kann jetzt niemand mit hundertprozentiger Sicherheit sagen.

Was macht ihnen Hoffnung?
Kohlgraf: Ich nehme neben den strukturellen Fragen, die uns gerade sehr beschäftigen, bei den vielen Gesprächen und Begegnungen auch hier an der Bergstraße ein Bewusstsein dafür wahr, dass unsere christliche Botschaft eigentlich eine sehr gute ist. Ich erkenne auch ein starkes Bemühen der aktiven Christen, nach Wegen zu suchen, wie Verkündigungswege heute laufen können. Ich begrüße vor allem die hohe Motivation der Verantwortlichen auf der Suche, neue Menschen anzusprechen und zu gewinnen. Und in dem Bemühen dürfen wir und werden wir nicht nachlassen.

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