Aktuelles Das geistliche Wort

„Heldenzeit“

Gott ist an der Seite seiner Helden

„Ein wahrer Held wird nicht an der Größe seiner Kraft gemessen, sondern an der Kraft seines Herzens.“

Höre ich in mich hinein, sagt mir mein Herz: Ich vermisse Euch! Mit meinem Foto möchte ich deutlich machen, wie es mir und vielen anderen Menschen in diesen Tagen geht. Ich vermisse die Menschen, mit denen ich normalerweise viele Stunden meines Alltags verbringe. Entstanden ist das Bild in meinem Büro, wo ich momentan viel mehr Zeit als üblich verbringe. Abstand ist gerade das Gebot der Nächstenliebe.
Ich glaube, dass ich in den letzten Wochen den Satzanfang „Ich vermisse…“ häufiger gehört oder gelesen habe als das Wort Coronavirus. Das will was heißen. Wie viele Menschen mögen es sein, die im Gespräch persönlichen oder digital mit einer anderen Person über das gesprochen haben, was sie vermissen? Nicht nur ich vermisse Menschen, Dinge oder Handlungen, die noch vor kurzem ganz selbstverständlich waren.

Alleine in der Kirche

Mein Alltag hat sich verändert. Nun sitze ich die meiste Zeit im Arbeitszimmer am Schreibtisch, tausche mich per Videokonferenzen aus, mache fast täglich Sport an der frischen Luft, bete alleine in der Kirche und telefoniere mit Freunden. Andere Menschen müssen in diesen Tagen sehr viel arbeiten, damit wir, soweit es möglich ist, ein normales Leben führen können. Abstand halten, Hände waschen oder Mundschutz tragen, wo es Pflicht ist, sind im Vergleich dazu Kleinigkeiten.
Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine Zeit, in der viele Menschen verunsichert sind, Angst haben um sich oder andere. Es ist nicht nur eine Zeit, in der sich Existenzängste und Fragen nach dem „Warum“ breit machen. Es ist nicht nur eine Zeit, in der wir uns danach sehnen, uns frei bewegen zu dürfen. Die Pandemie ist auch eine Zeit, in der Menschen all das vermissen, was uns Menschen ausmacht: Soziale Kontakte, gemeinsame Ausflüge, Essen oder ins Kino gehen, Fußball, eine Fülle an kulturellen Veranstaltungen, Feste, Gottesdienste und noch Vieles mehr.
All diese aufkommenden Gefühle scheinen etwas bei uns Menschen auszulösen und so wurden die letzten Wochen für mich vor allem zu einer Heldenzeit. Menschen halten zusammen und machen sich gegenseitig Mut. Kleine und Große besinnen sich auf die wahren Werte des Lebens. Alte und Junge sind aufeinander angewiesen und tragen füreinander Verantwortung. In meinem persönlichen Umfeld oder im Fernsehen kann ich täglich Alltagshelden entdecken.

Die Helden der Stunde

Zurzeit entstehen auch viele tolle Initiativen, in denen Menschen sich auf unterschiedlichste Weise gegenseitig unterstützen. Alle diese Menschen sind die Helden der Stunde. Sie sind Heilige, die unsere Gesellschaft braucht. Ihnen gilt großer Dank!
Als Gemeindepfarrer – ich weiß, dass es vielen Seelsorgerinnen und Seelsorgern gerade ähnlich geht – möchte ich meine Herzensbotschaft noch einmal stellvertretend für alle sagen: „Ich vermisse euch“. Wenn wir diesen Satz zueinander sagen, bin ich fest davon überzeugt, dass Gott uns nahe ist. Gott ist dabei, wenn wir uns umeinander sorgen, gegenseitig helfen, Mut zusprechen, Angst nehmen, Schicksalsschläge gemeinsam aushalten, um unsere Verstorbene trauern… In diesen Situationen lässt Gott uns nicht allein. Gott ist an der Seite seiner Helden.

Ich freue mich mit vielen Menschen auf die Gottesdienste, die wir zu gegebener Zeit wieder gemeinsam feiern werden. Wir werden nebeneinander stehen, beten, singen, danken und um Gottes Segen für die ganze Menschheitsfamilie bitten. Bis dahin seien Sie alle von Gott behütet!

  1. Gärtner

    Ich kann die Aussage “ Ich vermisse Euch “ voll und ganz nachvollziehen.

    Es kommen auch mal wieder andere Zeiten.Ich denke aber, dass nichts mehr so sein wird, wie es vor der Pandemie war.Man achtet mehr auf die Zwischentöne bei Gesprächen und wird nachdenklicher miteinander umgehen.

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